FachvortragAbstract

Regime der Ungewissheit

Umrisse einer vergleichenden Soziologie organisierter Unsicherheit — wie Gesellschaften Ungewissheit institutionell zuweisen, umwandeln und legitimieren. Zehn Thesen.

Fachvortrag für ein wissenschaftliches Publikum — 45 Minuten Vortrag + 30–45 Minuten Diskussion. Zielkontexte: DGS-Sektionen (Soziologie der Emotionen, Kultursoziologie, politische Soziologie, soziologische Theorie), Institutskolloquien, Theorie-Workshops.

Abstract

Die Soziologie verfügt über reiche Theorien der Verunsicherung — Risikogesellschaft, Liquid Fear, Verlusterfahrung, ontologische Unsicherheit — und seit der Soziologie der Angst (2017) über ein präzises Modell, wie Angst auf der Ebene von Personen und Interaktionen entsteht und bewältigt wird. Was fehlt, ist das Verbindungsstück nach oben: eine vergleichende Analyse der institutionellen Ordnungen, in denen Gesellschaften Ungewissheit zuweisen, umwandeln und legitimieren.

Der Vortrag schlägt dafür den Begriff des Ungewissheitsregimes vor — bewusst angelehnt an Esping-Andersens Wohlfahrtsregime — und entfaltet ihn in zehn Thesen: Ungewissheit ist eine Verteilungsgröße, kein Niveau; Regime lassen sich als stabilisierte Konfigurationen der vier angstrelevanten Einschätzungsdimensionen auf institutioneller Ebene rekonstruieren; es gibt eine begrenzte Zahl idealtypischer Organisationsformen, die als Konverter zwischen Angstformen arbeiten und Ungewissheit nie vernichten, sondern verschieben; Emotionsnormen bilden ihre stillschweigende Verfassung.

Gegenwartsdiagnostisch erlaubt der Begriff, die Dauerkrise als Erschöpfung des versichernd-delegierenden Regimes der Moderne zu lesen und einen Teil der Polarisierung als Regimekonflikt zu reinterpretieren. Methodisch sind Regime über Aggregatverteilungen von Bewertungen und Bewältigungsrepertoires empirisch beschreibbar; daraus ergibt sich eine vergleichend-historische Forschungsagenda — in der auch die „German Angst“ ihren analytisch seriösen Ort findet: als Regime-Signatur statt als Nationalcharakter.

Die zehn Thesen führen das Modell der Soziologie der Angst (2017) auf die institutionelle Ebene weiter.


Buchbar als Fachvortrag mit Diskussion. Das Vortragsmanuskript kann auf Anfrage geliefert werden. Anfragen über den Kontakt unten.

Bei Recherche und Überarbeitung dieses Textes kam KI zum Einsatz.

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