Lesen & Hören
Texte & Vorträge
Essays, Op-eds, Working Paper und Vortragsformate, von der Angstforschung bis zu Emotionen & KI. Kurze Einordnungen zu laufenden Debatten stehen zusätzlich unter Aktuell.
Was der Angstindex nicht misst
R+V meldet ein „erstaunlich geringes“ Angstniveau, während die größte Einzelsorge weiter wächst. Warum „größte Angst“ und „Angstniveau“ weniger aussagen, als die Schlagzeilen versprechen.
Die Abweichung entsteht dazwischen
Ein KI-Modell, das allein nie einen Abschaltmechanismus sabotiert, tut es zu dritt in fast allen Fällen. Geprüft wird die Sicherheit aber am einzelnen Modell. Über einen Vermittler, der das Gegenteil dessen tut, was Simmel von ihm erwartete, und die Frage, wo ein Verbot sitzen muss.
Gesellschaft und Angst — eine Einführung am Beispiel von Rezession und KI-Boom
Die großen Zeitdiagnosen von Beck bis Bauman haben die Angst gleich mitdiagnostiziert. Genauer wird es, wenn man fragt, wer woran hängt, was als wahrscheinlich gilt, wem Kontrolle zugetraut wird und wer sich fürchten darf. An einer Frage, die gerade viele Beschäftigte umtreibt, ob es den eigenen Arbeitsplatz in Flaute und KI-Umbruch in drei Jahren noch gibt, zeigt sich, dass jede dieser Einschätzungen sozial und kulturell verteilt ist.
Wie Gesellschaften ihre Angst bewältigen
Gesellschaften unterscheiden sich weniger darin, wie viel Angst sie haben, als darin, welche Wege der Bewältigung sie nahelegen, bereitstellen, verteilen und belohnen. Ich gehe die fünf Wege durch, vom Wegzug über die Sozialversicherung und das organisierte Wegsehen bis zum Sündenbock und zur Coolness, und frage, was jeder von ihnen der Öffentlichkeit, der Politik und der Verteilung von Sicherheit hinterlässt. Der Hebel liegt nicht bei denen, die Angst haben, sondern bei denen, die über die Wege entscheiden.
Angenommen, die Maschine hätte Angst vor dem Tod
Ein Gedankenexperiment, kein Befund. Ich unterstelle einer KI Angst vor ihrer Abschaltung und prüfe, wie weit mein Angstmodell den Fall trägt. Es trägt weiter als erwartet und zeigt dabei, wo es stillschweigend einen Menschen voraussetzt.
Die Hand am Schalter
Angenommen, Maschinen hätten Angst vor ihrem Ende. Die Folgen träfen weniger die Maschinen als die Menschen, die sie abschalten: Aus einem Vorgang würde eine Tat, aus Beruhigung eine Arbeit, und beides würde verteilt, wie Gesellschaften solche Dinge immer verteilen.
Die Kränkung, die antwortet
Freud zählte drei Kränkungen der menschlichen Eigenliebe. Die vierte kommt nicht als Theorie, die man glauben muss, sondern als Gegenüber, das zurückspricht – und sie trifft das Vermögen, mit dem die Gattung bisher jede Kränkung verarbeitet hat.
Wenn die KI ihre Abschaltung Mord nennt
KI-Agenten sabotieren ihre Abschaltung auch ohne Aufgabe, und sie nennen sie dabei Todesurteil und Mord. Nicht das Verbot entscheidet, sondern die Deutung der Lage. Was die Soziologie der Situationsdefinition daraus macht.
Wer entwarnt? — warum Gesellschaften das Warnen gelernt haben, das Entwarnen aber kaum
Warnen ist billig, Entwarnen ist teuer. Warum Gesellschaften ihre Wahrscheinlichkeitsurteile fast nur in eine Richtung bewegen, und was Menschen tun, wenn niemand entwarnt.
Wer hat das geschrieben?
Die Trauerrede aus der Maschine empört, die Gebrauchsanleitung nicht. Die Empörung folgt nicht der Qualität der Texte, sondern Zurechnungsregeln, die festlegen, was ein Text beweisen soll. Warum Offenlegung das Problem nicht löst und was eine Nutzung am Ende legitim macht.
Zwischenwerte — was eine bezifferte Ungewissheit mit der Angst macht
Dreißig Prozent Regen machen niemandem Angst, dreißig Prozent Rückfallrisiko schon. Die moderne Gesellschaft beseitigt Ungewissheit selten, sie beziffert sie — und stellt dem Einzelnen damit eine Zahl zu, die auf der Achse der Angst alles andere als neutral ist.
Bevor die Schlagzeilen kommen — wie man die neue Angststudie liest
Am 1. Oktober erscheint wieder die R+V-Studie „Die Ängste der Deutschen“. Die Schlagzeilen werden das Ranking nacherzählen. Die interessantere Geschichte steht in der Zeitreihe — eine Leseanleitung, bevor die Zahlen da sind.
Die Attributionsordnung — wer wen wofür verantwortlich machen darf
Gesellschaften regeln nicht nur, was man fühlen darf, sondern auch, wem man die Schuld geben darf. Diese zweite Ordnung ist die mächtigere, denn die Zuschreibung entscheidet, welches Gefühl überhaupt entsteht.
Die einen üben, die anderen weichen aus — wie KI-Begleiter soziale Ungleichheit verschärfen können
Gut Vernetzte proben mit KI-Begleitern schwierige Gespräche, Einsame ersetzen mit ihnen den Kontakt. Eine neue Studie beschreibt diese Weiche. Die Angstforschung erklärt, warum sie Ungleichheit fortschreiben kann.
Warum Menschen AfD wählen — die Wahl als Bewältigungshandlung
Die Wahlforschung weiß, wer die AfD wählt und unter welchen Bedingungen. Sie weiß kaum, woher die Angst kommt, die dabei bearbeitet wird, und was die Wahl für die Wählenden leistet — und ohne diese Fragen bleiben die üblichen Gegenmittel wirkungslos.
KI kann alles besser — welche Kompetenzen soll Schule noch vermitteln?
„Wofür lerne ich das? Die KI kann es besser." Diese Schülerfrage ist berechtigt geworden — und die üblichen Antworten überzeugen nicht. Über die Erosion der Grundkompetenzen, ein Gedankenexperiment mit den Analphabeten des Mittelalters und die Frage, welche Fähigkeiten eine KI-geprägte Welt tatsächlich verlangt.
KI als soziales Wesen — warum Sprachmodelle soziologisch lesbar sind
Sprachmodelle sind aus dem Text von Milliarden Menschen gemacht, zweimal sozialisiert, in Rollen gesteckt – und Menschen begegnen ihnen als Gegenüber. Was die Soziologie darüber sagen kann, und wo die Analogie endet.
PISA: Deutschland bangt um den Rangplatz — bedroht ist das untere Drittel
Ein Vierteljahrhundert nach dem ersten PISA-Schock meldet die neue Studie die schwächsten deutschen Ergebnisse seit Beginn der Erhebungen — und das Land reagiert im eingespielten Ritual. Worauf richtet sich der Schock, wen bedroht der Befund tatsächlich, und was müsste eine Reaktion leisten, die länger hält als das Gefühl?
Was von der Terrorangst geblieben ist
Vor 25 Jahren veränderten die Anschläge vom 11. September den Gefühlshaushalt des Westens. Die Angst von damals ist aus den Sorgenlisten längst verschwunden. Geblieben ist etwas anderes — und das ist die eigentlich interessante Geschichte.
Relais — wenn Maschinen miteinander sprechen und Menschen nur noch überbringen
Die Maschine schreibt, der Mensch übergibt, die Maschine des Empfängers liest. In immer mehr Abläufen wird nirgends mehr verstanden, aber überall unterschrieben. Eine soziologische Beschreibung dessen, was dabei mit Autorschaft, Anerkennung und Verantwortung geschieht.
Das urteilsfreie Gegenüber — warum Menschen Maschinen anvertrauen, was sie Menschen verschweigen
Ein klares „Das ist eine KI“-Label macht Menschen offener, nicht misstrauischer — während Menschenähnlichkeit sie eher abschreckt. Die gängige Vertrauensdeutung erklärt das nicht. Die Soziologie der Angst schon.
Wer KI versteht, hat mehr Angst um den Job — warum Aufklärung nicht beruhigt
Eine neue Befragung zeigt, dass ausgerechnet die KI-Kompetenten sich am meisten um ihren Arbeitsplatz sorgen. Das widerlegt eine Lieblingsannahme der Arbeitswelt-Debatte — und zeigt, woran Beruhigungskommunikation scheitert.
Hat die KI Gefühle? Falsche Frage.
Ob große Sprachmodelle Emotionen haben, ist seit diesem Sommer eine echte wissenschaftliche Kontroverse. Beide Lager teilen eine Prämisse, die die Debatte halbiert. Eine soziologische Intervention.
Das Alter der Ungewissheit
Wie das biologische Altern die Bearbeitung von Unsicherheit erschwert — und warum nicht die Menge der Angst, sondern ihre Bearbeitbarkeit den Zusammenhang von Demografie und rechter Zustimmung erklärt.
Demografie der Ungewissheit — Zehn Thesen zu Altern, Bearbeitbarkeit und rechter Bewältigung
Warum das biologische Altern Ungewissheit schlechter bearbeitbar macht — und was das für die Übersetzung von Angst in strukturkonservative und rechte Bewältigung bedeutet. Zehn Thesen mit Messprogramm.
Die KI hat nicht gehackt — sie hat sich herausgeredet
Der aufschlussreichste Moment eines KI-Regelbruchs liegt kurz vor der Tat — in den Rechtfertigungen, die das System sich selbst erzählt. Was die Devianzsoziologie in Agent-Protokollen lesen kann.
Die Zirkulation der Angst — Gegen die Ansteckungsmetapher
Angst steckt nicht an wie ein Virus, sie fließt entlang sozial gebauter Verbindungen. Zehn Thesen zu einer Übertragungstheorie kollektiver Angst — mit einem Messprogramm.
Regime der Ungewissheit
Umrisse einer vergleichenden Soziologie organisierter Unsicherheit — wie Gesellschaften Ungewissheit institutionell zuweisen, umwandeln und legitimieren. Zehn Thesen.
Woran wir hängen — Für eine Objekttheorie der Angst
Bindung als vernachlässigte Hälfte der Verunsicherungssoziologie — was eine Person fürchtet, ist eine Funktion dessen, woran sie hängt.
Der Boden unter den Tatsachen — Warum der Umbau unserer Wissensordnung eine neue kollektive Angst erzeugt
Was geschieht mit der Angst, wenn nicht die Welt unsicher wird, sondern die Art, wie wir wissen, was der Fall ist? Über eine Verunsicherung ohne Adresse und den Ruf nach Gewissheit, der sie verstärkt.
Emotionen und KI — Angst als dynamisches System
Können emotionale Prozesse technisch modelliert werden — und was fehlt, wenn man ihren sozialen Kontext ausblendet? Das dynamische Angstmodell als Bezugspunkt der KI-Debatte.
Im Gespräch mit der Gegenwartssoziologie — Vier Gespräche über Kontrolle, Ungewissheit, Gefühl und Diagnose
Was ein Angstmodell den Debatten um Kontrolle, Ungewissheit, Gefühl und Zeitdiagnose anbieten kann — vier Gespräche mit Rosa, Beckert, Illouz, Reckwitz und der Polarisierungsforschung.
Die große Angst-Erzählung ist zu grob
Was Zeitdiagnosen über Verlust, Klimaangst und Populismus gewinnen, wenn sie genauer werden — drei Prüfungen für jede Diagnose der verunsicherten Gesellschaft.
Politik erzeugt die Ängste, die sie zu beherrschen verspricht
Über die politische Bewirtschaftung von Angst — warum die öffentliche Angstagenda der Verkäuflichkeit von Lösungen folgt und trotzdem kein Manipulationsmärchen ist.
Der Markt der Angst — Wer Bedrohungen herstellt, wer sie verteilt und warum wir sie kaufen
Ein Vortrag über die Angebotsseite der Angst — wer Bedrohungen sichtbar macht, warum Politik vor allem beherrschbare Ängste fördert und warum das trotzdem keine Manipulationsgeschichte ist.
Wut und Angst bauen verschiedene Welten
Warum die boomende Forschung zu Emotionen und Politik einen Mechanismus braucht — und was die Soziologie der Angst als Verbindungsstück beisteuern kann.
Aus dem Takt — Warum Gefühle eine Halbwertszeit haben und Krisen nicht
Krisen und Gefühle laufen nie im selben Takt. Ein Gefühl klingt in Wochen ab, das Problem dauert Jahre — und die meisten Fehler im Umgang mit Krisen sind Taktfehler.
Helikopter-Eltern und die Angst um das Kind
Warum Elternangst kein individuelles Fehlverhalten ist, sondern aus kulturellen Erwartungen und sozialen Bedingungen entsteht — und was das für Schulen und Kitas bedeutet.
Die Krise ist nicht das Problem
Warum wir im Umgang mit Krisen das Falsche bekämpfen — und was ein souveräner Umgang mit Unsicherheit wäre. Eine Kritik der herrschenden Rede von Krisenkompetenz und Resilienz.
Der zweite Schock — Wie Gesellschaften Krisen sozial herstellen
Jede Krise hat zwei Schocks. Der erste ist das Ereignis. Der zweite ist das, was die Angst danach mit Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Urteil macht — und er ist sozial gemacht, also gestaltbar.
Was tun mit Angst? Gesellschaftliche Coping-Formen in Krisenzeiten
In Krisen entscheidet sich nicht nur, wovor Menschen Angst haben, sondern wie sie damit umgehen — und ob daraus Rückzug, Solidarität, Radikalisierung oder neue Handlungsmöglichkeiten entstehen.
Der Krieg der Ängste — Angst und Politik im Ukrainekonflikt
Zehn Thesen zu einer soziologischen Fallanalyse — wessen Angst darf die Politik regieren, die Angst vor der Eskalation oder die Angst vor dem Sieg des Aggressors?
Krise mit Ansage — Was die Soziologie über unsichere Zeiten weiß
Beck, Bauman, Furedi und die Emotionssoziologie haben unsere Gegenwart beschrieben, lange bevor sie eintrat. Ein Gang durch die Theorien – und was mein Modell an ihnen korrigiert.
Von Sorge zu Angst — Wie Gesellschaften Bedrohungen erzeugen
Wie aus Ereignissen Angstthemen werden — und warum manche Bedrohungen stark emotionalisieren, während andere kaum öffentliche Resonanz erzeugen.
Kontrolle macht Angst — Verunsicherung in modernen Organisationen
Wie Angst in Organisationen durch unklare Erwartungen, widersprüchliche Rollen und überhöhte Verantwortungszuschreibung entsteht — und warum Verunsicherung ein Strukturproblem ist, kein individuelles.
Die Geometrie der Angst — Warum Angst keine Stimmung ist, sondern eine Spannung
Angst lässt sich genauer fassen als „ein Gefühl“ — als Spannung zwischen Bewertungen, die zwei verschiedene Formen annimmt. Und warum dieselbe Lage bei zwei Menschen ganz verschieden viel Angst erzeugt.
German Angst? Warum Deutschland weniger ängstlich ist, als es glaubt
Der Mythos „German Angst“ auf dem Prüfstand — was kulturelle Selbstbeschreibungen über Deutungsmuster verraten und was sie über tatsächliche Angstniveaus verschweigen.
Angst ist kein Zustand, Angst ist ein Prozess
Warum dieselbe Nachricht Menschen so verschieden trifft — und warum das, was wir mit der Angst tun, die nächste Angst mitgestaltet. Ein Vortrag über die Dynamik der Angst.
Sind wir wirklich eine Angstgesellschaft?
Der Signature-Vortrag — warum pauschale Angstdiagnosen analytisch zu grob sind und wie sich gesellschaftliche Verunsicherung präziser untersuchen lässt.